Home » Kultur » Currently Reading:

Zur Situation der „besseren Hälfte” der Menschheit

Januar 6, 2013 Kultur No Comments

Die 23-jährige Inderin, die in einem Bus in Delhi vergewaltigt und gefoltert wurde, erlag zwei Wochen nach der Tat ihren Verletzungen. Dieses grausame Verbrechen hatte in Indien für Unruhen gesorgt, einige tausend Menschen waren in der Hauptstadt auf die Straßen gegangen.

Diese Reaktion ist insofern überraschend, als Vorfälle wie dieser sowohl im ländlichen Indien als auch in den Städten keine Seltenheit sind. In der größten Demokratie der Welt wird allein in Delhi alle 14 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt – die Dunkelziffer ist vermutlich weit größer. Sicherheit, Bildung und Gesundheitsfürsorge sind für viele Inderinnen nicht zugänglich. Viele weibliche Föten werden abgetrieben, viele Mädchen zwangsverheiratet, viele Frauen öffentlich erniedrigt. Von einer Gleichstellung der beiden Geschlechter kann keine Rede sein.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Indien gemeinsam mit Somalia, Pakistan, dem Kongo und Afghanistan zu den fünf Ländern zählt, die laut der Thomas- Reuters- Stiftung für Frauen am gefährlichsten sind. Die Gründe für diese traurige Nominierung sind für jedes Land unterschiedlich: In Pakistan beispielsweise wird zuerst die kulturelle Unterdrückung der Frauen durch Zwangsheiraten, Säureattacken und Strafen wie Steinigung genannt, im Kongo sexuelle Gewalt. Laut einer US-Studie werden dort jährlich über 400 000 Mädchen und Frauen vergewaltigt.

In einer anderen Studie derselben Stiftung werden die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer  danach eingestuft, wie gut es sich in ihnen als Frau leben lässt. Indien belegt den letzten Platz, Deutschland – dank Angela Merkel als weibliche Bundeskanzlerin –  den zweiten. Doch auch bei uns gibt es hinsichtlich geschlechtlicher Gleichstellung noch große Mängel, wie beispielsweise der Umstand, dass es immer noch wenige Frauen in Führungspositionen gibt.

Offensichtlich ist, dass unsere ganze Welt noch kilometerweit von echter Gleichberechtigung entfernt ist. Sowohl in Industrie-, als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern muss weiterhin danach gestrebt werden, Männer und Frauen gleichzustellen – in Politik, Wirtschaft und Arbeitsleben; im Bezug auf Gesundheit, Ernährung, Berufschancen, Einkommen und vor allem Bildung.

Mahatma Gandhi sagte 1921: „Von all dem Bösen, das der Mensch verantwortet, ist nichts so entwürdigend, so schockierend und so brutal, wie der Missbrauch der besseren Hälfte der Menschheit, des weiblichen Geschlechts.“ Gandhi war Inder.

 

Lara Lorenz

 

Bildquelle: Wikimedia Commons (CC)

___

Comment on this Article: