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Golf von Mexico: Permanentes Risiko durch 4000 Bohrinseln

November 18, 2012 Aktuelles, Welt No Comments

17:00 Uhr – Die Abkopplungvorbereitungen sind kurz vor ihrem Abschluss. 17:53 Uhr – Wyman Wheeler lässt zur Kontrolle einen negativen Drucktest durchführen. Die Drucktests sind jedoch nicht zufriedenstellend. Wyman Wheeler ist sich sicher, dass ein Leck im Rohr ist. Jason Anderson lässt einen weiteren Drucktest durchführen und ist sich sicher: Die Ergebnisse sind eine Fehlmessung. Die Arbeiten laufen weiter. 21:31 Uhr – Es kommt zu einem höchst ungewöhnlichen Druckanstieg. 21:42 Uhr – Eine 74 Meter hohe Schlammfontäne schlägt Alarm. Alle Ventile werden verschlossen. Die Ventile halten dem Druck nicht stand, der Blowout Preventer (BOP) versagt, hochentzündliches Methan verbreitet sich. Freitag, der 20. April 2010. 21:49 Uhr (Ortszeit) – Ein Funke im Maschinenraum verursacht die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon und löst gleichzeitig die schwerste Ölpest in der US-Geschichte im Golf von Mexiko aus.

Als die Plattform nach zwei Tagen infolge des Brandes versank, brach das Steigrohr und die Kohlenwasserstoffe (Erdöl und Erdgas) konnten ungehindert ins Meer strömen. Man spricht von geschätzten 800 Millionen Litern Rohöl, das in den folgenden 86 Tagen aus dem Steigrohr ausströmten. Alle Maßnahmen, das Öl mit chemischen Mitteln zu binden und daran zu hindern die US-Küste zu erreichen, scheiterten. Am 29. April 2010 erreichte der Ölteppich erstmals die Küste und richtete großen Schaden an:

Tausende von Vögeln starben, weil ihr Gefieder ölverklebt und ihre Atemwege und ihre Lungen von Ölpartikeln und anderen giftigen Dämpfen verseucht waren. Das Öl reduzierte die Sehkraft bis hin zur Erblindung und tötete die Vögel binnen weniger Stunden.

Dasselbe gilt für die großen Meeressäuger, den Wal und den Delfin. Um atmen zu können, müssen sie an die Wasseroberfläche, geraten automatisch in den Ölteppich und atmen Ölpartikel und giftige Stoffe ein. Von Natur aus werden jedes Jahr um die 20 tote Tiere an die Küsten der Anrainerstaaten im Golf von Mexiko angespült. Im Katastrophenjahr zählte man bereits Ende April 37 Tiere, im gesamten Jahr 2010 waren es 262, 2011 sogar 362. Untersuchungen zeigten, dass die meisten davon vom Öl selbst vergiftet worden waren. Ein Viertel der Delfine war sogar von den sehr gefährlichen Brucella-Bakterien befallen. Zusammenfassend sterben Wale und Delfine nicht nur an den Giftstoffen, die sie einatmen, sondern auch durch die, die sie mit der Nahrung aufnehmen, und zusätzlich auch aufgrund ihres geschwächten Immumsystems.

Ebenso schlecht geht es den Fischen: Das Öl versiegelt die Kiemen und blockiert damit die Atmung.

Ein Blick auf den Meeresboden, 1400 Kilometer unter NN: Die einst wunderschönen und vielfältigen Korallen wurden mit einer klebrig flockigen ölhaltigen Schicht überzogen, starben ab und zersetzten sich bis auf die Skelette. Millionen abhängiger Organismen, wie beispielsweise Krabben, Krebse, kleine Fische oder einfach nur Einzeller war damit ihre Lebensgrundlage entzogen.

Nicht nur in der Fauna, sondern auch in der Flora, der Pflanzenwelt richtet das organische Material Erdöl massive Schäden an:

Plankton wird bei geringsten Mengen an Öl vermehrungsunfähig. Ganze Nahrungsnetze kommen dadurch aus dem Gleichgewicht. Öl stört die Photosynthese, was das Absterben von Algen oder anderen grünen Meerespflanzen zur Folge hat.

Wenn der Ölteppich durch die Gezeiten und Landwind immer weiter auf die Strände und Küsten getragen wird, setzt dieser sich fest, verdichtet Spalten, dringt zu den Wurzeln von Pflanzen vor und vergiftet alle Organismen in diesem Bereich. Das alles hat zur Folge, dass Pflanzen kein Licht mehr bekommen, vom Öl direkt vergiftet werden und absterben. Die Problematik liegt darin, dass sich Öl in Sand und Erdreich Jahrzehnte lang festsetzen kann. Solange können auch keine neuen Pflanzen wachsen oder andere Lebewesen sich einquartieren.

Zu guter Letzt sind die Existenzen vieler Menschen, die vom Tourismus leben, gefährdet, weil niemand mehr die verschmutzten Sandstrände besucht oder gar im Ölfilm badet!

Was wäre nun, wenn eine erneute Katastrophe entstünde? Oder sogar schon entstanden ist?

In der letzten Woche gab es eine Explosion auf einer weiteren Bohrinsel vor Louisiana. Zwei Arbeiter gelten als vermisst. Über Todesopfer ist nichts bekannt. Ebenso scheint es kein Leck zu geben, das eine weitere Ölpest auslösen könnte. Die Plattform soll zum Zeitpunkt der Explosion nicht in Betrieb gewesen sein.

Aber was ist mit den anderen 4.000 Bohrinseln im Golf von Mexiko?

Autor: Samuel Menacher

 

Weiterführende Artikel und Quellen:

Greenpeace.de

nationalgeographic.de

deutschewelle.de

taz.de

suite101.de

tagesschau.de

 

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