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Hetzjagd auf einen unschuldigen 17-Jährigen: Brauchen wir eine Facebook-Polizei?

April 1, 2012 Netzwelt, Society No Comments

Die Medien haben hinlänglich berichtet: Nach dem Mord an der kleinen Lena wurde zunächst ein 17-jähriger Berufsschüler aus Emden der Tat verdächtigt und infolgedessen verhaftet. Augenzeugen der Verhaftung berichteten quasi live im Netz von den Ereignissen. Schließlich organisierten einige Bürger über Facebook einen Aufruf zur Stürmung der Emder Polizei, in der sich der Verdächtigte befand. Bis zum frühen Morgen um vier Uhr forderten ca. 50 Menschen (…) die Herausgabe des 17-Jährigen. Hinzu kamen Hassparolen wie “Hängt ihn auf!” oder “Steinigt ihn!”, die vor allem auch über Facebook ausgesprochen wurden. Auch die Adresse des 17-Jährigen wurde dort verbreitet.

Nun, da der wahre Täter – ein 18-Jähriger – überführt ist und die Unschuld des 17-Jährigen nachgewiesen wurde, ist nicht nur die Polizei von Emden für ihre allzu öffentlichkeitswirksame Festnahme eines letztlich Unschuldigen zu kritisieren.

Zu fragen ist auch, wie es sein kann, dass die Bürger dieses Landes durch den Einfluss eines sozialen Netzwerks in mittelalterliche Verhaltensweisen zurück verfallen. Wie kann das passieren? Letztlich ist ein soziales Netzwerk ein Ort, an dem sich Menschen aufhalten. Das Problem daran: Der Staat hat nicht ohne Weiteres Zugang zu diesem Ort, kann seine Beschützerfunktion hier also nicht ausüben. Das ist gut so, solange wir uns in einem sozialen Netzwerk mit mehr oder weniger belanglosen Plaudereien aufhalten. Es wird jedoch dann gefährlich, wenn Menschen die Kontrolle über ihr Handeln und Denken verlieren. Das wissen wir spätestens seit den Ausschreitungen von London im vergangenen Sommer.

Bild: Pixelio

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