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Schwarmzeit

Gerade in den letzten Monaten und Jahren schaffte ein einziges Insekt, dessen Größe lediglich ein bis zwei Zentimeter ausmacht, internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Um auf diese Lebewesen, ihren Mehrwert für den Planeten und die bestehenden Bedrohungen aufmerksam zu machen, wandten sich sogar 1 745 383 Menschen aus ganz Europa mittels eines Volksbegehrens direkt an die europäische Kommission in Brüssel (bzw. Straßburg). Die Rede ist von keinem geringerem Nutztier als der Honigbiene.

Honigbiene im Landeanflug auf die Blüte einer dunkelroten Blasenspiere (Physocarpus opulifolius)

Honigbiene im Landeanflug auf die Blüte einer dunkelroten Blasenspiere (Physocarpus opulifolius)

Auch wenn im Internet seitdem mehrere Millionen Artikel zu diesem Thema existieren, ist es vor allem zu dieser Jahreszeit von Bedeutung auf eine bestimmte Entwicklung hinzuweisen. Während die meisten Menschen, insbesondere solche, die in einem städtischen Gebiet wohnen, die kleinen gelb und schwarz gestreiften  Arbeiterinnen fast ausschließlich aus den Medien, vereinzelt auf Blumen oder vom Deckel des morgendlichen Honigglases kennen, kann es von Mai bis Juni auch zu eher unerwarteten Szenen an unterschiedlichsten Orten mit ihnen kommen.

Die wenigsten wissen wohl, dass im Moment die sogenannte „Schwarmzeit“ stattfindet. Hierbei handelt es sich nämlich um ein etwa zweimonatiges Zeitintervall zwischen Frühling und Sommer, während dem manche Bienenvölker ihre restlichen winterlichen Honig- und Nektarreserven zur Ernährung einer neuen Königin aufwenden. Dabei entstehen allerdings zwei Königinnen, die nicht zusammen ein Bienenvolk regieren können. Deshalb verlässt eine der beiden den Bienenstock, wobei es sich meistens um die jüngere Königin handelt. Diese nimmt dabei ihren eigenen Teil des ursprünglichen Hofstaates mit auf ihre neue Heimatssuche und der bestehende Nistkasten bleibt weiterhin bewohnt. Wohin aber nun mit dem neuen Volk, wenn niemand einen neuen Behälter bereitstellt und sie frühzeitig trennt? Die Antwort auf diese Frage wird eigentlich schon im Titel des Beitrags ersichtlich. Demzufolge ist es so, dass die Bienen in einem Schwarm, der aus tausenden Arbeiterbienen weiblichen Geschlechts, wenigen Drohnen männlichen Geschlechts sowie einer Königin bestehen, eine Flugreise antreten, um ein neues zu Hause zu finden. Dieses stellt dann in der Regel ein Ast, eine  Fensterecke, ein parkendes Auto oder ein Dachunterstand dar, wobei sie zu meist eine „Schwarmtraube“ formieren. 

„Schwarmtraube“ um den Ast einer Eiche (Größenvergleich: An der linken Seite der Traube ist eine (stark gelbe) Hornisse zu sehen.)

„Schwarmtraube“ um den Ast einer Eiche (Größenvergleich: An der linken Seite der Traube ist eine (stark gelbe) Hornisse zu sehen.)

Damit man also in der nächsten Zeit nicht mit Honigbienen im eigenen Bad zu kämpfen hat, sollten unbeaufsichtigte Fenster tunlichst vermieden werden oder bei Sichtkontakt mit einem umherschwirrenden Schwarm, der sich glücklicherweise durch sein überaus lautes Summen auszeichnet, sogleich geschlossen werden. Wenn es allerdings trotzdem zu einem Bienenstich kommen sollte und keine Kenntnisse über eine Allergie vorliegen, ist als Vorsichtsmaßnahme unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Aus der Ferne betrachtet stellt eine solche Schwarmtraube aber ein durchaus sehenswertes Naturphänomen dar. In jedem Falle haben die Bienen aber eine geringe Überlebenschance bis zum folgenden Winter, weshalb unbedingt ein Imker in Kenntnis gesetzt werden muss, um die Tiere in einem speziellen Transportbehälter aus dem ursprünglichen Gebiet, evtl. aber auch weg von im Freien spielenden Kindern zu bringen. Dabei wird versucht die Königin zu isolieren und den Rest des Volkes einzufangen.

Bienenvolk (von Bild 2) in Bienenkasten für einige Tage zum Sammeln und Beruhigen

Bienenvolk (von Bild 2) in Bienenkasten für einige Tage zum Sammeln und Beruhigen

Dies ist ein Beitrag zum Erhalt dieser vom Ausstreben bedrohten Art, deren Population jährlich aufgrund von Krankheiten, Parasiten wie Milben, aber gleichfalls auch durch den Menschen schwindet. Denn selbst wenn man als Laie dem weltweiten Artensterben nicht viel entgegensetzen kann, sollte man dennoch das für jeden einzelnen von uns mögliche tun, um den Honig und die eigentliche Schönheit der Tiere für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Eine Honigbiene auf der Blüte einer dunkelroten Blasenspiere (Physocarpus opulifolius) auf Nektarsuche

Eine Honigbiene auf der Blüte einer dunkelroten Blasenspiere (Physocarpus opulifolius) auf Nektarsuche

von Philipp Kilg

 

 

Bildnachweis: Alle in diesem Artikel enthaltenen Bilddateien sind eigene Aufnahmen des Verfassers.

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