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Die Stimme des Sturms

März 14, 2019 Foto & Kunst, Kultur, Literatur, Uncategorized No Comments

Meine Augen wanderten über die Küste.
Kalter Wind gemischt mit heftigem Regen peitschte in mein Gesicht.
Das wilde Wetter zerrte an meinen Kleidern.

Ich atmete tief ein.

Die eisige Luft kratzte in meiner Lunge, aber ich genoss die Frische.

Ein Blitz zog über dem Meer vor mir durch den Himmel, erleuchtete den Horizont und zeigte die dunklen Wolken, welche sich über das gesamte Land zogen.

Ich schaute auf den Boden und sah das Wasser vor mir in der großen Pfütze beben.

bild 2

Ruhig blickte ich auf.

Kein Ton.
Ich hatte keinen Ton gehört.

Es war als würde der Sturm trauern.
Als würde er schreien.
Als würde er der gewaltigen Kraft nachgeben, die in ihm tobte, mit ihr eins werden.

Aber er hatte keine Stimme.
Er konnte kein einziges Geräusch von sich geben.

Ein weiterer Blitz schlug in das Meer, diesmal etwas näher.
Ich ging in die Hocke und legte vorsichtig meine Hand auf den harten Asphalt.

Da.

Ein kaum bemerkbares Beben erschütterte den Boden, ließ die vorbeikommenden Passanten nicht einmal aufschauen.
Sie hatten ihre Regenschirme fest mit ihren Händen umklammert, liefen hektisch nach Hause oder in die Arbeit.

Und ich stand da.

Ohne Jacke, ohne Schirm.

Ich betrachtete den stillen Sturm.

 

 

~Selina Akannac, 10c

Bildrecht: Sarah Rosculet

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