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VEGETARISMUS UND VEGANISMUS

Juli 17, 2017 Aktuelles, Diesel, Kultur, Lifestyle, Meinung, Society, Welt No Comments

(ein Kommentar von Michelle Wendler)

Waren es 2009 laut einer Statistik, die einen Anstieg an Vegetariern und Veganern verzeichnet, noch 6,29 Millionen Vegetarier und Veganer allein in Deutschland, so sind es bereits 7,8 Millionen im Jahr 2015 gewesen. Doch wo liegt der Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern und warum werden es immer mehr?

Während Vegetarier auf Fleisch verzichten, so verzichten Veganer zusätzlich noch auf den Konsum von tierischen Produkten wie Milch und Eier.

Viele Menschen, die den Gedanken hegen, auf ein fleischfreies Leben bzw. eines ohne Tierprodukte umzusteigen, denken gleichzeitig auch: “Was kann ich als einzelner Mensch unter 7,39 Milliarden anderen schon ausrichten?” und so passiert es oft, dass es bei diesem Gedanke bleibt.

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Gründe für den hohen Fleischkonsum

Viele Menschen sind der Ansicht, dass Tiere, wie Schweine und Kühe zum Verzehr da sind, und andere Tiere, wie Hunde und Katzen, als Haustiere zu sehen sind.

Diese Art zu denken spiegelt sich in den Reaktionen auf das sogenannte „Hundefleisch-Festival” in China, bei dem Straßenhunde in kleinen Käfigen zusammengepfercht und anschließend bei lebendigem Leibe gehäutet, gekocht und danach gegessen werden, wieder. Hier machten sich unter anderem Tierschützer wie Peter Li für die Beendigung dieses Festivals stark und sammelten weltweit elf Millionen Unterschriften, die später den Behörden übergeben wurden. Und auch Prominente wie Matt Damon und Pamela Anderson sprechen sich klar gegen solch eine Veranstaltung aus.

Genauso Grausames passiert allerdings tagtäglich in größerem Maße mit Tieren, wie Schweinen und Rindern, welche in Deutschland zusammengerechnet auf 750 Millionenen Schlachtungen im Jahr kommen. Hier eine vollständige Auflistung aller Tiere von der Seite www.compact.de, aufsteigend nach der Schlachtungsanzahl geordnet:

 

Ziegen                29.000

Gänse               530.000

Schafe                    1 Mio

Rinder                   3 Mio

Enten                   25 Mio

Puten                   37 Mio

Schweine             58 Mio

Hühner             628 Mio

 

Ob ein Tier zum Essen oder Liebhaben da ist, wird anscheinend von der Gesellschaft festgelegt und von vielen akzeptiert. Auch ist mehrfach festzustellen, dass sich viele damit gar nicht befassen wollen, da es ihnen zumeist egal ist, wie das Fleisch auf ihren Teller kommt, wie das Tier sein Leben verbracht hat und ob es misshandelt oder im schlimmsten Fall gequält wurde, solange sie ihr „Essen“ haben. Doch die meisten, die man mit einem Messer in die Hand gedrückt mit der Aufforderung: „Hol dir dein Fleisch!” auf eine Weide mit Kühen schicken würde, würden miteinander verglichen ähnlich handeln, indem sie dem Tier nichts antun könnten. Einige sagen zwar, sie unterstützen die Schlachtung nicht, jedoch konsumieren sie weiterhin Fleisch und Tierprodukte und tragen so zu diesen Handlungen bei. Allerdings wird diese „Normalität“ schon von etwa 8 Millionen Menschen allein in Deutschland hinterfragt.

 

Gründe für Vegetarismus

Der Hauptgrund für Vegetarismus ist die schlimme Behandlung der Tiere vor der Schlachtung, bei der die Tiere Schmerzen an Leib und Seele erfahren. So kommt es beispielsweise trotz des 2010 erlassenen Verbots von Käfighaltung in Deutschland vor, dass Hühner in einem ein DIN-A4-Blatt großen Käfig untergebracht werden, wo sie sich aufgrund des Platzmangels eigenständig die Federn herausrupfen oder im schlimmsten Fall die Beine abpicken. Zumeist handelt es sich um weibliche Tiere, da die männlichen Küken aufgrund ihres Geschlechts bereits Stunden nach der Geburt in einem eigens dafür angefertigten Schredder geschreddert werden. Als Grund hierfür wird genannt, dass man keine Verwendung für sie habe und sie daher nur unnötig Platz und Nahrung beanspruchen würden.

Doch der Platzmangel hat nicht nur fatale Folgen für Hühner, sondern auch für Puten. Diese werden neben der Unterbringung in einer großen Halle mit so vielen Artgenossen, dass sie kaum noch Bewegungsfreiheit haben, auch noch gemästet, also mit viel Nahrung versorgt, sodass hier in kurzer Zeit eine hohe Gewichtszunahme stattfindet. Die Folge ist ein aggressives Verhalten den anderen Artgenossen gegenüber, durch das es vorkommt, dass sie sich gegenseitig angreifen und blutig verletzen.

Neben den Puten und Hühnern, sowie weiteren zahlreichen Tieren, wird auch den Schweinen ihr Aufenthalt in einem Schlachthof unangenehm gestaltet. Einer dieser Schlachthöfe ist der Jenaer Schlachthof, der monatlich kontrolliert wurde. Gegen dessen Leitung leitete laut Ostthüringer Zeitung von 2008 bis 2012 der Zweckverband Veterinär mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren und eine Strafanzeige aufgrund von Verletzung der Hygiene und des Tierschutzes ein. Besonders die Tierbetäubungsanlage stand oft im Mittelpunkt dieser durchgeführten Kontrollen, da diese nicht funktionierte und daher vor allem Schweine nicht richtig betäubt wurden. Aufgrunddessen kam es bei 25% der Schweine vor, dass diese während der Schlachtung bei vollem Bewusstsein waren oder bis zu vier in den Kopf geschossene Bolzen, mit denen die Betäubung durchgeführt wird, nötig waren. Zusätzlich werden die Schweine mit den Füßen getreten, wodurch das Tier oftmals Verletzungen erleidet und dennoch weiter Richtung Schlachtungsraum getrieben wird. Meist geschieht dies durch einen elektrischen Viehtreiber, der Stromstöße ausstößt, und somit die Tiere traktiert.

Doch wie heißt es so schön: „Bilder sagen mehr als tausend Worte …“

Schweine, die kaum Platz haben und unter unhygienischen Verhältnisse leben

Schweine, die kaum Platz haben und unter unhygienischen Verhältnisse leben

Küken beim Schreddern

Küken beim Schreddern

 

Hühner, die mit begrenzter Bewegungsfreiheit in einem Käfig eingesperrt sind

Hühner, die mit begrenzter Bewegungsfreiheit in einem Käfig eingesperrt sind

Gemästete Puten

Gemästete Puten

 

 


Zusammenfassung der Gründe für Vegetarismus

Man kann nun also sagen, dass Vegetarier sich sowohl für das Leid als auch die Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden, interessieren und die Vorgehensweise bei der Schlachtung nicht nur als unmoralisch betrachten, sondern durch das Beschreiten eines fleischfreien Lebens selbst zu einer Besserung beitragen wollen. Denn ebenso wie wir Menschen haben diese Lebewesen ein Recht auf Leben und sie sollten geachtet statt misshandelt werden.

Wenn du dir das nächste Mal Fleisch kaufst oder (unschlüssig) darüber nachdenkst, auf einen vegetarischen Lebensstil umzusteigen, dann denke bitte daran: „Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung!” Denn auch wenn du nichts gegen diese Art der Behandlung der Tiere machst, so tust du dennoch etwas, nämlich sie weiter durch den Kauf von Fleisch zu unterstützen.

Ich selbst zum Beispiel bin Vegetarierin und möchte, sobald ich die Volljährigkeit erreicht habe, Veganerin werden, da ich nicht nur weiß, wie schlecht die Tiere behandelt werden, sondern es verinnerlicht habe und meinen Teil zu einer Verbesserung beitragen möchte. Genauso finden es circa 8 Millionen andere Menschen in Deutschland moralisch nicht vertretbar, wie die Tiere beispielsweise Schweine oder Kühe, aber auch Schafe beim Scheren, behandelt werden, bevor sie geschlachtet werden. Denn man sollte nie vergessen, dass ein Mensch in einer Gruppe aus vielen Menschen viel bewirken kann!

 

Michelle Wendler

 

Fotos: wikimedia commons, Pexels

 

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