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Was genau ist denn bitte ein “Fairphone” ???

Juli 20, 2014 IT, Lifestyle, Netzwelt, Uncategorized No Comments

In letzter Zeit ist die Smartphone-Industrie, vor allem Apple mit seinem iPhone, in die Kritik geraten, da die Arbeiter in den Produktionsfirmen schlecht bezahlt wurden, die Firmen illegale Kinderarbeit unterstützten, die Minen für die Rohstoffe im Kongo den dortigen Bürgerkrieg unterstützen und viele weitere Gründe. Dabei fragen sich sicherlich einige, ob es denn eine Alternative gibt und zu welchem Preis. Die gibt es tatsächlich und nennt sich Fairphone. Dieses Smartphone wird von der gleichnamigen Herstellerfirma mit Sitz in Amsterdam vertrieben. Was es mit diesem Handy auf sich hat, will ich in diesem Artikel kurz erläutern.

Umweltschutz und Arbeiterschutz

Um es gleich vorweg zu sagen: ganz „fair“ ist auch das Fairphone nicht. Die Firma Fairphone hat sich allerdings die geringstmögliche Belastung für Umwelt und Menschen bei der Produktion des Handys zum Ziel gesetzt. Auf der Seite des Herstellers kann man sich über die genauen Maßnahmen zum Umwelt- und Arbeiterschutz informieren, ich will mich jetzt auf die wichtigsten Punkte beschränken:

  • Die Rohstoffe wurden konfliktfrei (d.h. ohne direkt einen Krieg zu unterstützen) gefördert. Dabei wurden bewusst Minen im Kongo gewählt und zwar, um direkt an der dortigen Situation mithelfen zu können.
  • Die Arbeiter in China, die das Fairphone größtenteils in Handarbeit herstellen, werden fair bezahlt und erhalten gute Arbeitsbedingungen. Dabei wurden speziell Arbeiter eingestellt, die sich bereiterklärten, beim Projekt Fairphone mitzuarbeiten.

Verbraucherschutz

Beim Ziel, die geringstmögliche Belastung für die Bevölkerung zu erreichen, sind auch die Käufer des Fairphone nicht ausgeschlossen. Ich werde wieder einige Beispiele nennen:

  • Im Gegensatz zu den meisten Herstellern baut Fairphone seine Produkte, um lange Lebenszeiten zu erreichen. Das gesamte Handy ist relativ einfach auseinanderzubauen, sodass im Fall eines Defekts nur die Teile ausgetauscht werden müssen, die wirklich kaputt sind, und nicht etwaige anmontierte Teile. (Nachteil: das Fairphone ist etwa 10mm dick)
  • Dem Nutzer wird die Möglichkeit zum „rooten“ gegeben, sodass er ein anderes Betriebssystem aufspielen kann (Standard: Android 4.2)
  •  Es unterstützt DualSIM, also zwei SIM-Karten in einem Handy gleichzeitig. Damit lassen sich  zum Beispiel Verträge von zwei Anbietern gleichzeitig nutzen, um für jedes Gespräch den besten Tarif zu wählen

 

Und so sieht es aus:   Auf den ersten Blick keine großen Unterschiede zu vergleichbaren Smartphones

Das Fairphone ist von den Werten her ein gutes Mittelklasse-Smartphone zu einem fairen Preis.

 (Bildrechte: Fairphone)

 

 

Technische Daten

Das Fairphone ist technisch gesehen nicht gerade ein Spitzenreiter und soll es auch gar nicht sein. Es hinkt allerdings den Konkurrenten auch nicht allzu weit hinterher. Ein angebrachtes Vergleichsobjekt wäre das Samsung Galaxy S4 mini. Ich werde die beiden also einmal miteinander vergleichen:

Fairphone (2nd Batch) Samsung Galaxy S4 mini
Bildschirmauflösung 256 ppi 256 ppi
Bildschirmdiagonale 4,3 Zoll 4,27 Zoll
Kameraauflösung 8 MP 8 MP
Frontkameraauflösung 1,3 MP 1,9 MP
Betriebssystem (Standard) Android 4.2.2 „Jelly Bean“ Android 4.2, Update auf 4.4
Prozessor QuadCore 1,2 GHz DualCore 1,7 GHz
RAM 1GB 1,5GB
Interner Speicher 16GB (64 GB erweiterbar) 8 GB (64 GB erweiterbar)
Akku 2000 mAh Li-Io 1900 mAh Li-Io
Preis 310€ 262€ (Amazon)

Beide Geräte haben ihre Vor- und Nachteile, von der Hardware her sind sie ziemlich ebenbürtig. Das S4 mini bietet sicherlich ein besseres Preis/Leistungsverhältnis, auch von der Software her, das Fairphone punktet allerdings im Bereich Ethik, Moral und Nachhaltigkeit. Die Entscheidung liegt also beim Kunden.

Verkauf

Das Fairphone hat auch Nachteile. Für mich ist das definitiv der Verkauf, der von offizieller Seite (also Gebrauchtkäufe nicht einberechnet) nur über die eigene Seite läuft. Die Geräte werden in Produktionswellen, die technisch nur leichte Unterschiede aufweisen, hergestellt und verkauft, bisher außerdem nur in Europa. Zur Zeit wird die zweite Welle hergestellt, man konnte es bereits Mitte Mai vorbestellen, was bei inzwischen etwa 20.000 von 35.000 verkauften Fairphones (Stand: Juli 2014) keine schlechte Idee war. Verschickt werden die Geräte der zweiten Welle ab Mitte Juli, was mich bisher von einem Test abgehalten hat. Die nächste Welle wird wohl erst nächstes Jahr erscheinen. Hinzuzufügen wäre noch, dass ein Ladekabel nicht automatisch dabei ist, man es aber zusätzlich bestellen kann, da solche Ladekabel in den meisten Haushalten vorhanden sind.

Fazit

Das Fairphone ist für jemanden wie mich, der sich mit einem sehr alten Smartphone nach einem Ersatz umsieht, der Nachhaltigkeit verspricht, eine ideale Lösung. Die Umweltbewussten haben mit diesem Gerät sicher auch ihre Freude. Leuten, die ein technisch besseres Handy besitzen oder besaßen und auf die Features nicht verzichten wollen, würde ich raten, sich den Kauf gut zu überlegen. Schnäppchenjäger werden sicher ein besseres Angebot finden. Letztendlich muss man sagen, dass jeder seine Wahl treffen muss und dass das Fairphone eine würdige Alternative ist.

 

 

Simon Dresemann

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