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Die Wahrheit über Londons Schrecken – Jack the Ripper schlägt wieder zu

Juli 7, 2014 Aktuelles, Foto & Kunst, Kultur No Comments

Jack the Ripper (auf Deutsch: Jack der Aufschlitzer). Ein Name, der heute auf der ganzen Welt bekannt ist, Experten und Wissenschaftlern noch immer keine Ruhe lässt und Stoff für zahlreiche Kriminalromane und Filme bietet. Der Mann war einer der gerissensten und brutalsten Serienkiller weltweit, der im Londoner East End um das Jahr 1888 sein Unwesen trieb. Er war mit Sicherheit für die Morde an fünf Prostituierten verantwortlich, deren Leichen er mit beispielloser Grausamkeit verstümmelte. Die genaue Zahl der tatsächlichen Opfer konnte aber bis in die heutige Zeit nicht definiert werden. Einige meinen, es wären nicht mehr als vier oder fünf gewesen. Andere glauben, es hätten insgesamt 18 Morde stattgefunden, die auf sein Konto gingen. Er hat seine Opfer regelrecht abgeschlachtet, die allesamt die Gemeinsamkeit hatten, dass sie prostituierte Frauen waren, die auf den nächtlichen Straßen des East End ihrem Geschäft nachgingen. Sie alle waren Personen, die in finstere Straßen oder Gassen gelockt wurden, um dort dann hinterhältig erstochen zu werden. Es ist unwahrscheinlich, dass es für diese Taten ein Motiv gab.

Doch wer war nun Jack the Ripper? Diese Frage ist bis heute ungeklärt und immer noch arbeiten Wissenschaftler und Psychologen unermüdlich an einem Täterprofil für diesen Mörder.

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Der erste Mord – Doch wer ist der Täter?

 

Das Londoner East End, in dem die Morde stattfanden, war ein Elendsviertel von rund einer Quadratmeile. Seine Bewohner rangen täglich ums Überleben. Das East End war völlig überbevölkert, bis zu 90 Personen teilten sich drei Zimmer eines kleinen Wohnhauses. Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus waren an der Tagesordnung und für die dort lebenden Bewohner ganz normal. Juden aus Polen und Russland und viele irische Immigranten lebten dort. Natürlich kam es in dieser Gegend auch immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Doch die Taten eines Wahnsinnigen stellte die alltägliche Brutalität auf den Straßen schon bald in den Schatten.

 

Am 31. August 1888 schlenderte die Prostituierte Polly Nichols durch die Straßen von White Chappel. Sie traf dabei auf ihren Mörder. Gegen 3.30 Uhr morgens ging der Fuhrmann George Cross eine Durchfahrtsstraße in Ostlondon entlang. Dort entdeckte er den Leichnam von Polly Nichols und beschloss, zusammen mit einem Kollegen, einen Polizisten zu rufen.

Als man die Tote ins Leichenhaus brachte bemerkte man neben der durchgeschnittenen Kehle außerdem noch eine große Schnittwunde in ihrem Unterleib. Ein Hinweis auf die Persönlichkeit des Täters. Der Killer, der sie umgebracht hatte, war nicht jemand gewesen, der einen ausraubt und dann die Kehle durchschneidet, sondern er hatte etwas Krankhaftes an sich. Am Morgen nach Nickels Tod berichtete der White Star theatralisch „ Ein abscheulicher Mord – Weitere Frau verstümmelt in White Chappel gefunden!“ – „grausige Verbrechen eines Wahnsinnigen!“.

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Weitere Frauen“ deswegen, weil die Presse davon ausging, dass zwei andere Todesopfer, die in diesem Jahr getötet worden waren, von dem gleichen Täter ermordet worden sind. Was, wie man später feststellte, allerdings ein Trugschluss war. Pauli Nickels war das erste Opfer von Jack the Ripper und sie würde auch nicht das letzte sein. Doch das wusste man im damaligen London noch nicht und die Presse schürte weiter die Panik, indem sie sich sofort auf die Geschichte vom irren Serienmörder stürzte. Die Angst vor dem Täter war so groß, dass eine Belohnung für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt wurde. Allan B. Walter & son, ein Kleiderfabrikant, forderte daraufhin, dass auch eine Belohnung für jeden Hinweis, der bei der Überführung des Täters half, ausgesetzt werden solle. Der Forderung wurde aber nicht Folge geleistet, da man befürchtete, dass die Leute sonst Falschaussagen angeben würden, um an die Belohnung heranzukommen. Trotzdem reagierte die Öffentlichkeit entrüstet auf die Ablehnung der Regierung.

Inspektor Frederic Abberline von Scotland Yard und Inspektor Edmund Reid von der Londoner Polizei wurden mit dem Fall beauftragt und suchten in den Straßen des East End nach dem Mörder.p3

 

 

Gewalt mag im East End zwar alltäglich gewesen sein, aber diese Morde waren unüblich und die Polizei war auf so etwas nicht vorbereitet. Sie hatte es mit einem raffinierten Mörder zu tun, der wahrscheinlich in der Gegend zu Hause war und wusste, wie er schnell und unbemerkt vom Tatort verschwinden konnte. Die Morde, die Jack the Ripper verübte, waren immer gut geplant gewesen. Er brachte sein Mordwerkzeug immer mit und benutzte nie eine improvisierte Waffe, so ließ er nie eine Tatwaffe am Ort des Geschehens zurück. Vermutlich war er relativ unauffällig und konnte so in der Masse leicht untertauchen. So wie in Filmen in einen schwarzen Umhang gehüllt mit einem schwarzen Zylinder ist er ganz sicher nicht herumgelaufen. Hätte eine Prostituierte ihn in dieser Aufmachung inmitten der Ripper-Panik gesehen, wäre sie vermutlich sofort weggelaufen. Die Polizei wollte den Mörder fassen, bevor er wieder töten konnte, und sie waren nicht die einzigen, die nach dem Täter suchten. Am 5. September stellte der „White Star“ seinen Hauptverdächtigen vor, einen Mann, den alle „Lederschürze“ nannten. Der Mann wurde gefürchtet, da er Prostituierte bedrohte und mit vorgehaltenem Messer Schutzgeld von ihnen verlangte. Aus diesem Grund hielten ihn die meisten Prostituierten für den Ripper.

 

Der zweite Mord – Der Killer bekommt einen Namen

 

Die Suche nach Lederschürze lief auf Hochtouren, als der Mörder 8 Tage nach dem ersten Mord erneut zuschlug. Am Morgen des 8. September wurde die 47-jährige, ebenfalls Prostituierte, Annie Chapman getötet.

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Und wieder war die Leiche schwer verstümmelt. Dies war sozusagen die Visitenkarte von Jack the Ripper und mit jedem weiteren verübten Mord wurden die Verstümmelungen schlimmer.

Nur etwas war anders als bei dem letzten Mord, diesmal gab es eine Augenzeugin. Diese berichtete, dass Chapman mit einem Mann geredet haben soll. Er war etwas größer als sie gewesen und hatte auf die Zeugin einen ausländischen Eindruck gemacht. Er soll sie gefragt haben „ Wirst du das tun?“ Worauf sie mit „ Ja.“ Geantwortet haben soll. Zudem wurde in der Nähe des Tatortes eine Lederschürze gefunden, die nun als weiterer Beweis aufgenommen wurde, dass der Mann namens Lederschürze der Mörder war. Wenig später wurde auch ein Mann verhaftet, ein Stiefelmacher mit dem Namen John Piser, von dem es hieß, er wäre der gesuchte Lederschürze. Piser konnte allerdings ein Alibi vorweisen und wurde wieder entlassen. Und wie sich bald herausstellte, gehörte die Schürze in Wirklichkeit einem Nachbarn und nicht dem Täter. Die Frustration bei Scotland Yard stieg immer mehr, als sich auch weitere Angeklagte bei den Verhören als unschuldig erwiesen. Dabei tat die Polizei alles was sie konnte, um den Mörder zu stellen, sie ging sogar so weit, sich in Zivil unter die Leute zu mischen und verhörte einen Verdächtigen nach dem anderen.

Der verrückte schwedische Metzger Josaf Eisenschmitt war dabei der Hauptverdächtige, da man davon ausging, dass der Täter chirurgische Fähigkeiten besitzen oder sich zumindest gut mit der menschlichen Anatomie auskennen musste.

Während die Spekulationen über den Mörder weitergingen, wurde dieser zunehmend ungeduldig. Deshalb schickte er am 27. September zwei Briefe an die zentrale Nachrichtenagentur.

Gnädiger Herr,

ich höre ständig, die Polizei hätte mich geschnappt, aber so weit ist es noch nicht. Beim nächsten Mal werde ich der Dame die Ohren abschneiden und sie der Polizei schicken, nur zum Spaß. Was halten sie davon?

Ihr Jack the Ripper

 

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So hatte der Serienmörder einen Namen erhalten, „ Jack the Ripper“. Doch die damalige Polizei hielt den ersten Brief nicht für echt, sondern für das Werk eines Journalisten, der den Skandal von dem wahnsinnigen Mörder am laufen halten wollte. Auch viele heutige Wissenschaftler sind der Meinung, dass sie nicht vom echten Täter geschrieben wurden.

Währenddessen wollten die Bewohner des East End wieder ihrem normalen Leben nachgehen, doch Jack the Ripper hatte offenbar etwas dagegen, denn in seinem zweiten Brief prahlte er:

Mein Messer ist so schön und scharf, dass ich gleich wieder an die Arbeit will.

 

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Der dritte und vierte Mord – Doppeltes Desaster im White Chappel

 

Am 30. September, um 1.00 Uhr Morgens wurde dann das dritte Opfer des Rippers, Elizabeth Stride, entdeckt. Ihr war nur die Kehle durchgeschnitten worden und viele glaubten, dass der Mörder von dem Zeugen noch bei seiner Arbeit gestört worden und geflohen war. Die Polizei war schnell anwesend und noch während sie die Umgebung absuchte, ereigneten sich, knapp eine Meile weiter entfernt im Herzen Londons, weitere erschreckende Ereignisse. Und so war es Captain Wodkins von der Londoner Polizei, der das vierte Opfer des Ripper entdeckte. Es war die Leiche von Catherine Eddowes. Diesmal hatte Jack the Ripper sein Opfer bis ins kleinste entsetzlich zugerichtet, auch das Gesicht.

Nicht nur die Bevölkerung, auch die Polizei waren schockiert. Es meldeten sich mehrere Zeugen, die angaben, die Opfer kurz vor ihrem Tod mit einem Mann gesehen zu haben. Sie beschrieben den Mann als 1.65m groß mit dunklem Haar und dunkler Kleidung, einem kleinen braunen Schnurrbart und einer spitzen Kappe, also ganz normal für die damalige Zeit.p7

Wenn Jack the Ripper im damaligen White Chappel herumspaziert wäre, wäre das niemandem besonders aufgefallen. Ein ganz anderes Bild hat man heutzutage von dem gefürchteten Killer. Wenn man heute von „Jack the Ripper“ spricht, denkt man sofort an einen eleganten Mann mit Zylinder, der tief im Schatten auf seine ahnungslosen Opfer gelauert hat, doch so hat er wohl kaum ausgesehen.

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Er war in der Lage, einen Mord zu begehen und dann einfach in den Menschenmassen zu verschwinden, die in den Straßen unterwegs waren. Er musste also jemand sein, der nicht auffiel. Außerdem muss er im East End gewohnt haben, denn nur so ist zu erklären, wie er es schaffte, derart schnell vom Tatort zu verschwinden. Detective Admund Reid beschrieb später, wie frustriert die Polizei von dem gerissenen Vorgehen des Mörders war:

 

Eins der großen Probleme war, dass der Ripper zwar verrückt war, aber gleichzeitig die Polizei mit seinen gerissenen Methoden austrickste.“

 

Am Morgen nach dem Doppelmord erhielt die zentrale Nachrichtenagentur einen weiteren, höhnischen Brief. Erneut geschrieben von Jack the Ripper. Sie war in roter Tinte geschrieben und die Handschrift stimmte mit den vorangegangenen Briefen überein. Er schrieb:

 

Ich habe nichts verheimlicht, lieber Boss, als ich dir den Tipp gab, dass ihr Morgen wieder vom bösen Jackie hören werdet. Zwei warens diesmal.

Die eine hat ein bisschen gequietscht bevor ich sie erledigt hab. Hatte keine Zeit, die Ohren für die Polizei mitzunehmen. Danke, dass ihr den letzten Brief zurückgehalten habt, bis ich wieder an die Arbeit konnte.

 

Jack the Ripper

 

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Diese Briefe brachten einige seiner Charaktereigenschaften zum Vorschein. Er war selbstverliebt, wollte Aufmerksamkeit und wollte zeigen, wie schlau er war. Er verhöhnte die Polizei, um zu zeigen, dass er, Jack the Ripper, die Situation kontrollierte und nicht sie. Als Reaktion darauf setzte Scotland Yard eine Belohnung für Hinweise aus, falls sie zur Verhaftung von Jack the Ripper führten.

 

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Außerdem wurde die Anzahl der nächtlich auf Streife geschickten Männer von 27 auf 89 erhöht. Jetzt lagen nie mehr als 15 Minuten zwischen zwei patrouillierenden Polizisten.

 

Scotland Yard ermittelte immer noch fieberhaft, verhörte 80 Verdächtige und ging Hunderten von Hinweisen nach. Als die Wochen dann vergingen und es immer noch keine weiteren Opfer gab, kam die Bevölkerung langsam wieder zur Ruhe und die Prostituierten nahmen auch allmählich ihre nächtlichen Rundgänge wieder auf. Diese Entwicklung kam dem opportunistischen Mörder gerade gelegen. Warum? Das beklagte ein Kollege Abberlines, Chiefinspector Henry Muor:

 

Was es ihm so leicht macht, ist die Tatsache, dass die Frauen ihn freiwillig an Orte führen, von denen sie wissen, dass sie dort nicht gestört werden. Er muss nicht einmal auf seine Chance warten, sie verschaffen sie ihm.“

 

Der fünfte Mord – Die Polizei tappt bis zum Schluss im Dunkeln

 

Bis Oktober 1888 forderte die Mordlust Jack the Rippers vier Opfer und sie war noch nicht gestillt. Bei diesen Vieren gab es viele Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel, dass sie alle Prostituierte waren, in den Vierzigern und einem Drink nie abgeneigt. Sein fünftes Opfer aber, Mary Jane Kelly, war nicht wie diese Frauen, obwohl sie ebenfalls im East End tätig war. Sie war eine attraktive 25-jährige und empfing ihre Kunden in ihrem Quartier und nicht auf den Straßen. An dem Tag empfing sie einen Mann, der, wie später berichtet wurde, ausländisch aussah, mit einem roten Schnurrbart. Später hörten die Nachbarn aus ihrem Quartier den Schrei „ Mörder!“, dem sie aber nicht weiter nachgingen, bis dann später ihre Leiche durch einen Mieteintreiber gefunden wurde. Der Mord an Mary Jane Kelly war besonders brutal gewesen. Die anderen Opfer waren allesamt auf der Straße ermordet worden, sie aber hatte ihn auf ihr Zimmer geführt, wo er mit ihr alleine war und mit ihr tun konnte, was er wollte. Er hatte sich mit jedem Opfer gesteigert. Anfangs war es nur die durchgeschnittene Kehle gewesen, doch mit der Zeit kamen immer mehr Verstümmelungen hinzu, bis er schließlich bei Kelly genug Zeit hatte, um sie völlig zu zerstückeln.

 

So hatten mindestens fünf Frauen durch Jack the Ripper ihr Ende gefunden.

Queen Victoria war bestürzt und verlangte vom Premierminister entscheidende Maßnahmen. Dieser versprach als Reaktion eine Begnadigung für jeden Komplizen Jack the Rippers, der sich stellte. Außerdem wurden die Wachen erneut verstärkt, von 89 auf 143 Männer. Doch es war bereits zu spät, denn die Mordfälle hörten nach diesem fünften Opfer auf mysteriöse Weise auf. Viele glaubten, dass der Mörder nun genug hatte und seine Aktionen eingestellt hatte, doch das ist nur schwer zu glauben. Jemand, der auf diesem Niveau Morde verübte wird von heute auf morgen bestimmt nicht damit aufhören.

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Also, was war passiert mit diesem Mörder? Ist er vielleicht gestorben, oder hat er tatsächlich aufgehört? Diese Frage kann er uns leider nicht mehr beantworten. Man kann nur darauf hoffen, dass sich irgendwann vielleicht doch ein entscheidender Hinweis finden lässt, der das Geheimnis um Jack the Ripper endlich lüftet. Doch bis dahin bleibt er wohl der niemals gefasste Serienmörder, der schon seit langem fasziniert und die Fantasie der Autoren und Filmproduzenten anregt. Es werden weiterhin Kriminalromane und Filme veröffentlicht werden, die einen fesseln und ergreifen, wenn sich die wahre Identität von Jack the Ripper dort aufklärt. „Jack the Ripper – The final solution“ oder auch in Sherlock Holmes sind nur zwei von zahllosen Beispielen und es werden jährlich mehr. Eine der bisher gewagtesten Auflösungen ist vermutlich die, in der eine Frau als Jack – oder besser „Jill the Ripper“ entlarvt wird. Doch seine wahre Identität wird wohl noch länger ein Geheimnis bleiben.

 

Weitere Briefe an die Polizei, die vermutlich von Jack the Ripper geschrieben worden sind:

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Von Alicia Engelsberger

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