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Circus Krone – Ein Beispiel für artgerechte Tierhaltung?

10. November 2013: Der große Circus Krone aus München steht auf dem Plärrergelände. In wenigen Minuten wird die letzte Vorstellung hier in Augsburg beginnen. Unsere Reporterin Luzia (12) ist für uns direkt vor Ort und gibt uns einen kleinen Einblick in eine faszinierende Welt der Clownerie, Tierdressur und Artistik:

Abbildung 1

Abbildung 1: Elefanten mit Reiterinnen

Atemberaubende Stille herrscht in der größten rollenden Zirkusstadt Europas, die seit dem 31. Oktober auf dem kleinen Exerzierplatz gastiert. „Zu Krones riesiger Zeltstadt gehören gegenwärtig fast 400 Menschen, 200 Tiere, mehr als 330 Wohn-, Pack- und Gerätewagen und ein Spielzelt für 4000 Personen.“(1) Circus Krone besitzt sogar eine eigene Feuerwehr, sowie ein Stromaggregat mit 1000 kW Leistung, eine KFZ-Werkstätte und die einzige mobile Behindertentoilette der Welt. Über 50 Artisten aus verschiedenen Nationen begeistern das Publikum mit ihren Kunststücken, von denen wir ja nun einige zu sehen bekommen werden.

Abbildung 2: Etwas Hilfe von unten, schon klappen die beeindruckende Sprünge und perfekte Überschläge

Abbildung 2: Die Anastasini Brothers: Etwas Hilfe von unten, schon klappen die beeindruckende Sprünge und perfekte Überschläge

In einem hoch über der Manege aufgehängten Reifen macht eine Frau Spagat und andere akrobatische Meisterleistungen, während mehrere Artisten in gelb-orangen, glitzernden Kostümen bewundernswerte Sprünge und Salti von einer Duplex-Schaukel machen und dann lässig an einem Tuch herunterrutschen. Ein Mann springt sogar durch einen brennenden (!) Reifen.

Als nächstes kommen die Elefanten. Auf jedem der drei imposanten Dickhäuter sitzt eine prächtig gekleidete junge Frau. Die Elefanten laufen langsam durch die

Abbildung 3: Der legendäre Weiße Löwe mit Martin Lacey

Abbildung 3: Der legendäre Weiße Löwe KING TONGA mit Martin Lacey

Manege, wobei die beiden hinteren jeweils mit dem Rüssel den Schwanz des Vorder- manns festhalten. Die Reiterinnen sitzen ganz locker auf den riesigen Tieren; auch als diese auf ein Podest steigen und auf die Hinterbeine gehen. Das Publikum belohnt die Darbietung schließlich mit einem großen Applaus.

Die beiden Anastasini-Brothers stehen diesen aber in nichts nach, wie in Abbildung 2 zu sehen ist. Nicht weniger beein-druckend ist Martin Lacey mit seinen 14

Abbildung 4: Eigentlich sollte es ein Experiment werden. Doch dieser Clown stellt sich dumm...

Abbildung 5: Eigentlich sollte es ein Experiment werden. Doch dieser Clown stellt sich dumm…

Löwen. Diese können nicht nur von Podest zu Podest springen, sondern auch über bis zu drei andere, dicht nebeneinander liegende Löwen. Alle Löwen sind schon durch den vergitterten Gang verschwunden, nur ein Weibchen und der “König der Löwen” sind noch da. Der Dompteur gibt der Löwin den Befehl ebenfalls zu verschwinden, duckt sich, und die Löwin springt über ihn hinweg. Doch bevor der letzte Löwe die Manege verlassen darf, will Martin Lacey ihn noch streicheln. Der Löwe legt sich auf den

Abbildung 5: ...Stattdessen fängt er an, mit dem zehnten Teller zu spielen, nachdem die vorangegangenen neun dran glauben mussten...

Abbildung 6: …Stattdessen fängt er an, mit dem zehnten Teller zu spielen, nachdem die vorausgegangenen neun dran glauben mussten…

Boden und lässt sich streicheln wie eine gewöhnliche Hauskatze und lässt sogar zu, dass der Tierlehrer sich auf ihn drauflegt! Der Applaus scheint kein Ende nehmen zu wollen…

Abbildung 4: Jonglage zu viert...

Abbildung 4: Jonglage zu viert…

Die nächste Nummer wird angekündigt: “Nun sehen Sie die Jonglage a la Marlene Dietrich!” Sie und drei andere “Kollegen” werfen in einem atemberaubenden Tempo Keulen durch die Manege, sodass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Auch als erst einer, dann zwei Jongleure erhöht auf zwei Gestellen stehen, bleiben sie die Ruhe in Person.

Abbildung 6: ...doch der Weiß Clown ist entsetzt und befürchtet jeden Augenblick das schlimmste. Doch der Dumme ist geschickt...

Abbildung 7: …doch der Weiß Clown ist entsetzt und befürchtet jeden Augenblick das schlimmste. Doch der Dumme ist geschickt…

Alles andere jedoch scheint dagegen zu verblassen, wenn die Nummer der chinesischen Truppe “Chy Fu Dei” an die Reihe kommt. An elastischen Gummischnüren befestigt, schweben die sechs Artisten in weißen, im Schwarzlicht leuchtenden Anzügen durch die Zeltkuppel und führen dabei noch erstaunliche Kunststücke vor.

Nachdem Crazy Wilson auf dem Todesrad den Salto Mortale(2) ausgeführt hat, kommen noch einmal alle Artisten und Dompteure in die Manege.

Das Publikum ist begeistert. Es wird diesen Tag nie vergessen!

Abbildung 7: Die Gruppe Chy Fu Dei im Schwarzlicht

Abbildung 8: Die Gruppe Chy Fu Dei im Schwarz- licht

Luzia Menacher

(1) Zitat von: Dr. Susanne Matzenau; Pressebüro Circus Krone

(2) Salto Mortale = Todessprung = Dreifacher Salto

Wir haben auch hinter die Kulissen von Circus Krone geschaut. Ein großartiges Interview mit Pressesprecherin Frau Dr. Matzenau gewährt einen Einblick in das Zirkusdasein:

Abbildung 8: Crazy Wilson schlägt ein Kreuz bevor er den Salto Mortale in luftiger Höhe auf dem rotierenden Rad vorführt.

Abbildung 9: Crazy Wilson schlägt ein Kreuz bevor er den Salto Mortale in luftiger Höhe auf dem rotierenden Rad vorführt.

Frau Matzenau, wie lange arbeiten Sie schon hier?

Ich arbeite 10 Jahre bei Circus Krone.

Wie haben Sie hierher gefunden?

Indem ich mich beworben habe, ganz normal. Ich habe geschrieben, ich heiße soundso, kann das, haben Sie Interesse… Am nächsten Tag rief die Senior-Chefin an und sagte: „Kommen Sie vorbei, unser Pressechef hat gerade gekündigt.“

Was macht denn für Sie der Zirkus besonders attraktiv?

Abbildung 9: Crazy Wilson auf dem Todesrad

Abbildung 10: Crazy Wilson auf dem Todesrad

Nun, zum einen natürlich das Reisen und zum anderen die Schönheit, die man in der Vorstellung präsentieren kann, die Freude, die man den Menschen bringt, was sehr wichtig ist. Und die Schönheit, die man den Leuten bringt, um den Alltag von der Seele zu spülen. Es klingt jetzt sehr poetisch, aber es ist so, wenn Sie häufig sehen, wie die Leute in die Vorstellung kommen, bisschen abgehetzt Kinder hinter sich her ziehend; wenn sie dann rausgehen, haben alle ein Lächeln auf den Lippen. Alle gehen so zehn Zentimeter über dem Erdboden und nur deshalb, weil sie eben drei Stunden Glücksmomente in der Manege erleben konnten. Und das macht Spaß.

Was sind denn die Darbietungen im Wesentlichen?

Nun, es ist eine runde bunte Mischung aus Tierdressuren, Artistik und Clownerie: Wir sind ein klassischer Zirkus, das heißt traditionell, der sehr sehr viel Wert auf gute Qualität bei Tierdressuren legt. Wir haben The Big Four, wie man in Afrika sagt, also Raubtiere, Elefanten, Pferde, Exoten. Natürlich erwarten die Leute im Zirkus Jongleure, sie erwarten eine große Luftnummer, sie erwarten viel Aktion rund um die Manege und sie erwarten auch Clowns, denn ein Zirkus ohne Clowns wäre arm. Das ist eben dieser harmonische Dreiklang, den ich erwähnt habe, aus Tierdressuren, Artistik und Clownerie, wobei ich sagen muss, natürlich mit den besten der besten außerinternationalen Zirkuswelt; das ist bei Circus Krone klar, dass man, wenn man zu uns kommt, eben die Crème de la Crème sieht, d. h. Gewinner von goldenen, von silbernen Clowns in Monte Carlo, von Preisen in Verona, in Mailand, auf der Olympiade und und und. Also das ist natürlich logisch, dass man so etwas im  Circus Krone sieht. Und das zu volkstümlichen Preisen von 15 bis 40 €. Das heißt, für drei Stunden beste Live-Unterhaltung – 15 bis 40 €. Das ist wirklich mehr als angemessen. Volkstümliche Preise, nennt es unsere Frau Direktor. Jeder soll sich ein Besuch im Circus Krone leisten können.

Abbildung 10: "Es ist auch nachts eine Stallwache da, und im Pferdestall ist es ein Amerikaner. Und der erzählt den Pferden Fairy Tales. Ich nehme an, da er jetzt 10 Jahre bei uns ist, dass die Pferde sämtliche amerikanischen Märchen von vorne bis hinten kennen!"

Abbildung 11:
“Es ist auch nachts eine Stallwache da, und im Pferdestall ist es ein Amerikaner. Und der erzählt den Pferden Fairy Tales. Ich nehme an, da er jetzt 10 Jahre bei uns ist, dass die Pferde sämtliche amerikanischen Märchen von vorne bis hinten kennen!”(7)

Welche Höhepunkte erwarten denn den Zuschauer?

Ganz ehrlich, das müssen Sie sich für sich selbst entscheiden. Wir haben 20 verschiedene Darbietungen, und unser Ziel ist, wenn man zehn Leute fragt „Was hat Ihnen am besten gefallen?“, elf verschiedene Antworten zu bekommen. Es wäre fatal, eine Attraktion zu haben und der Rest läuft mit. Aber es ist so, beim Schlussapplaus hört man schon, dass das Publikum zwei Favoriten hat: Das ist zum einen Martin Lacey mit dem einzigartigen Weißen Löwen, eine sehr rasante und trotzdem moderne Löwendressur, und auf der anderen Seite Crazy Wilson am Todesrad. Die beiden teilen sich im Schlussapplaus die meisten Bravo-Rufe, wobei es natürlich so ist, genauso viele Leute sagen „das Flugtrapez hat mir am besten gefallen“, „die Jongleure waren einmalig“, „die Ikari haben mich berührt“.

Abbildung 11: "Das ist Nashornbulle TSAVO. Er ist 38 Jahre jung, ihm wird hier nie was passieren, er hat auf der linken Seite die Löwen, die ihn bewachen, auf der rechten die Elefanten."

Abbildung 12:
“Das ist Nashornbulle TSAVO. Er ist 38 Jahre jung, ihm wird hier nie was passieren, er hat auf der linken Seite die Löwen, die ihn bewachen, auf der rechten die Elefanten.”(7)

Und was noch das Besondere bei Circus Krone ist, wir haben ein Circus-Krone-Showballett mit zwölf bildhübschen Mädchen und drei Ensemble-Tänzern, also was fürs Auge (eher für das männliche), aber da bekommen wir immer wieder Schreiben, wo jemand gesagt hat, „war am besten“. Und eine Schülergruppe, die ich letztens über den Platz geführt habe, die hat gesagt „am besten waren die Fischstäbchen in der Küche!“ Was aber wichtig ist, es wäre, ich sag’s nochmal, es wäre fatal, wenn man sich eine einzige Attraktion herauspickt und den Rest praktisch als Wasserträger nimmt. Denn die Zuschauer kommen und sie wollen in eine Welt eintauchen, sie wollen etwas anderes erleben und sie wollen die Vielfalt der zirzensischen(3) Künste sehen. Und die bekommen sie bei uns.

Abbildung 12: Weiße Löwen "Das sind Löwen, die Sie hören. Ich warte immer noch drauf, dass mal ein Polizist vorbeikommt und uns wegen Ruhestörung einen Strafzettel bringt. Den darf er dann den Löwen persönlich überreichen. Ich glaub, dass macht er dann nur einmal!"

Abbildung 13: Weiße Löwen
“Das sind Löwen, die Sie hören. Ich warte immer noch drauf, dass mal ein Polizist vorbeikommt und uns wegen Ruhestörung einen Strafzettel bringt. Den darf er dann den Löwen persönlich überreichen. Ich glaub, dass macht er dann nur einmal!”(7)

Wie viele Besucher kommen denn pro Vorstellung?

Wenn wir Glück haben sind wir rappelvoll, und es sind fast 4000 Leute drin. Es ist das größte reisende Zirkuszelt der Welt.

Kommen immer so viele?

Das kann man schwer voraussagen. Wir waren jetzt zum Beispiel in Cham und in Deggendorf, in Pfarrkirchen und Burghausen. Wir waren die einzige Attraktion, außer uns gab es nichts. Und die Leute sind natürlich in Scharen gekommen und wir mussten fast wegen Überfüllung schließen. Hier [in Augsburg](4) ist es so, dass es am Wochenende ganz fantastisch ist; innerhalb der Woche hat es noch ein bisschen Luft. Aber es sind trotzdem mehr Besucher als in jedem anderen Zirkus, den Sie kennen und mehr als in einem Stadttheater.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Abbildung 13: Wildschwein Fritzi "Das ist ein Geschenk eines Metzgers aus Bad Türkheim. Er hat ihn gefunden, wie er ein Tag alt war und als er dann 50 kg wog - zu schwer für den Hühnerstall - ist er zu uns gekommen. Unter einer Bedingung: Kein Wildschweinbraten alla Obelix, kein Wildschweinragout, der Koch hat Stallverbot."

Abbildung 14: Wildschwein Fritzi
“Das ist ein Geschenk eines Metzgers aus Bad Türkheim. Er hat ihn gefunden, wie er ein Tag alt war und als er dann 50 kg wog – zu schwer für den Hühnerstall – ist er zu uns gekommen. Unter einer Bedingung: Kein Wildschweinbraten alla Obelix, kein Wildschweinragout, der Koch hat Stallverbot.”(7)

Insgesamt haben wir an die 400 Mitarbeiter. Hier im Pferdestall haben wir 15 und jeder ist für vier Pferde verantwortlich. Es sind auch immer dieselben Pferde, das heißt, falls dann irgendetwas wäre, dass eines ein bisschen weniger frisst oder unruhiger wird, dann weiß der Pfleger schon ganz genau, dass das nicht normal ist. Da schaut man mal nach, was da los ist. Das ist sehr wichtig. Artisten sind engagiert auf Zeit, also keine fest Angestellten, sondern während der Sommersaison und den drei Wintermonaten. Wenn wir in München sind, haben wir drei Programme im monatlichen Wechsel, damit eben, wenn die Münchner kommen wollen, sie die Möglichkeit haben, drei verschiedene Vorstellungen zu besuchen.

Was gibt es noch für Zuständigkeitsbereiche?

Wir haben alle Berufe, die Sie von draußen kennen, hier auch: Wir haben Schneider, wir haben Schreiner, wir haben Schlosser, wir haben KFZ-Mechaniker, Sattler, was es kaum noch als Beruf gibt. […](5) Im Grunde alle Berufe. Wir haben sogar eine eigene Schule, mit einer eigenen Lehrerin – Grund- und Hauptschule, für die Kinder von Circus Krone. Alle Berufe geht nicht gibt’s nicht!

Abbildung 14: "Wenn jemand kommt und Tierpfleger werden möchte, kann er nach kurzer Einlernung in den Exotenstall oder Pferdestall. Wenn er zu den Elefanten geht, sind es acht Wochen [Einlernzeit] und da ist immer ein Tierpfleger dabei. Erst nach acht Wochen kann er dann sozusagen alleine hingehen."

Abbildung 15:
“Wenn jemand kommt und Tierpfleger werden möchte, kann er nach kurzer Einlernung in den Exotenstall oder Pferdestall. Wenn er zu den Elefanten geht, sind es acht Wochen [Einlernzeit](4) und da ist immer ein Tierpfleger dabei. Erst nach acht Wochen kann er dann sozusagen alleine hingehen.”(7)

Abbildung 15: DP: "Was machen die denn in einer Vorstellung?" "Ja, die machen das, was Seelöwen gerne tun: Sie balancieren, sie tanzen, machen lustige Streiche… Auf einem kann sogar ein Hund reiten. Man muss dabei sagen, natürlich wird kein Seelöwe mit einem Ball auf der Nase geboren! Man kann es beim Training vielleicht am ehesten erklären: Sie bekommen einmal einen Ball drauf. Natürlich fällt er runter. Dann kriegt er wieder einen drauf, da bleibt er ein bisschen länger drauf, dann gibt es einen Fisch. Dann das nächste Mal bleibt er noch mal länger, dann gibt es noch mehr Fisch und Lob und es heißt, […] es bildet sich beim Tier ein Reflex, wo das Tier merkt, ok, ich mach das, Kommando, Leckerli. Ich mach das, Kommando, Leckerli. Und irgendwann wird es eine interne Befehlskette, wo er das eben gelernt hat, und wo er dann weiß, wenn ich den Ball hübsch auf der Nase habe, dann lachen alle, applaudieren alle, loben mich alle - Tiere mögen Lob - und es gibt noch einen Fisch. Da hat man also dreifachen Zugewinn!"

Abbildung 16:
DP: “Was machen die denn in einer Vor- stellung?”
“Ja, die machen das, was Seelöwen gerne tun: Sie balancieren, sie tanzen, machen lustige Streiche… Auf einem kann sogar ein Hund reiten. Man muss dabei sagen, natürlich wird kein Seelöwe mit einem Ball auf der Nase geboren! Man kann es beim Training vielleicht am ehesten erklären: Sie bekommen einmal einen Ball drauf. Natürlich fällt er runter. Dann kriegt er wieder einen drauf, da bleibt er ein bisschen länger drauf, dann gibt es einen Fisch. Dann das nächste Mal bleibt er noch mal länger, dann gibt es noch mehr Fisch und Lob und es heißt, […](5) es bildet sich beim Tier ein Reflex, wo das Tier merkt, ok, ich mach das, Kommando, Leckerli. Ich mach das, Kommando, Leckerli. Und irgendwann wird es eine interne Befehlskette, wo er das eben gelernt hat, und wo er dann weiß, wenn ich den Ball hübsch auf der Nase habe, dann lachen alle, applaudieren alle, loben mich alle – Tiere mögen Lob – und es gibt noch einen Fisch. Da hat man also dreifachen Zugewinn!”(7)

Wie viele Wagen hat Circus Krone?

An die 330. Alle mit Nummern, hier sind wir jetzt im Bereich der Garderoben, 147 ist die Damenschneiderei, 92 die Damengarderobe. 71 ist die Sattlerei, da ist alles drin rund ums Leder, weil wir ja viele Geschirre für die Pferde, Kopfputz für die Elefanten und Ähnliches brauchen. 66 ist der Direktionswagen, das ist die älteste Garderobe die wir haben, die ist über 100 Jahre alt. Hier vorne ist die Küche (185), daneben steht die Schule [49].(6)

Wie viele Tiere sind es insgesamt?

Insgesamt haben wir 201 Tiere, also sagen wir 200, wir haben etwa 400 Menschen an Bord und 330 Pack- und Gerätewagen und das größte reisende Zirkuszelt der Welt.

Abbildung 17: So klatscht man auf Seelöwisch!

Abbildung 17: So klatscht man auf Seelöwisch!

Darf man fragen, wie viel das kostet, nur die Tiere zu halten?

Wir haben pro Woche 5 Tonnen Heu und Stroh, 1000 kg Fleisch, 400 kg Äpfel und Möhren, 200 kg Brot – nur für die Tiere –, die Menschenküche hat zum Frühstück 300 Brötchen, also da kommt schon was zusammen. Futterkosten sind  3000 € am Tag. Bei den Raubtieren – das ist mit das teuerste – haben wir 31 Löwen und Tiger, und jeder frisst am Tag 5 bis 8 kg, das ist am Tag eine bayrische Kuh – nur für die Löwen. Und gerade die Elefanten sind keine Gourmets, sie sind Gourmands: Hauptsache, die Menge stimmt.

Werden die Tiere unter der Fahrt auch bewacht?

Es ist so, die Strecken sind relativ kurz. Und im Führerhaus sind die Pfleger mit dabei, wir haben Videoüberwachung nach hinten, sodass man sie sieht, aber im Normalfall, sobald die Transporter anfahren, legen sie sich hin. Vielleicht fressen sie noch ein bisschen, aber es sind ja auch nicht lange Strecken. Wir fahren zwischen 80 und 100 km, das sind 1,5 Stunden, wenn man vorsichtig fährt. Und dann werden sie ja schon wieder ausgeladen.

Vor dem Gelände stehen schon seit einigen Tagen Tierschutzrechtler. Was halten Sie von ihnen? Sind die Vorwürfe gerechtfertigt?

Abbildung 18: "Die Schule heißt [...] Grund- und Hauptschule, das heißt Rechnen, Schreiben, Lesen. Also nicht Clownschminken oder Seiltanzen… - Rechnen, Schreiben, Lesen. Fast alle Kinder sind Ausländer, das heißt, das wichtigste ist dann eben erst mal Rechnen, Schreiben , Lesen und das allerwichtigste ist die deutsche Sprache."

Abbildung 18:
“Die Schule heißt […](5) Grund- und Hauptschule, das heißt Rechnen, Schreiben, Lesen. Also nicht Clownschminken oder Seiltanzen… – Rechnen, Schreiben, Lesen. Fast alle Kinder sind Ausländer, das heißt, das wichtigste ist dann eben erst mal Rechnen, Schreiben , Lesen und das allerwichtigste ist die deutsche Sprache.”(7)

Sehen Sie, es kann sich jeder hier umschauen. Alle Leute, die Sie hier sehen, sind privat hier reingegangen. Es kann sich jeder in die Proben reinsetzen. Und es ist natürlich schwierig mit Leuten zu reden, die sagen „ich will es mir nicht anschauen“, „das interessiert mich nicht, was ihr sagt“, „ich habe meine Meinung und ich bestehe darauf!“ Wie wollen Sie da diskutieren? Wir haben oft gesagt „kommt rein, schaut es euch an!“ In Fulda zum Beispiel war eine Demo, die war etwas größer – da waren acht Personen [hier in Augsburg nur vier](4) – und da hat unser Herr Bento sie eingeladen, hat gesagt „kommt rein, schaut es euch an!“ Sechs sind gekommen, vier haben anschließend Karten gekauft und haben sich entschuldigt, dass sie überhaupt da vorne gestanden sind. Man muss aber über Tierschutz und man muss über Tierrecht reden. Das sind zwei Paar Stiefel! Tierschutz ist recht einfach zu beantworten: Da geht es um Quadratzentimeter und um

Abbildung 19: Martin Lacey mit einem Löwenbaby "Da hatten wir letztes Jahr das Glück, dass 6 weiße Löwenbabys auf die Welt gekommen sind [4 Männchen, 2 Weibchen]. Das war eine richtige Sensation, das gab es nur einmal! Die Mama hat nur 4 Zitzen, das heißt Martin Lacey musste alle drei Stunden Fläschchen geben, und das mit Erfolg!"

Abbildung 19: Martin Lacey mit einem Löwenbaby
“Da hatten wir letztes Jahr das Glück, dass 6 weiße Löwenbabys auf die Welt gekommen sind [4 Männchen, 2 Weibchen](4). Das war eine richtige Sensation, das gab es nur einmal! Die Mama hat nur 4 Zitzen, das heißt Martin Lacey musste alle drei Stunden Fläschchen geben, und das mit Erfolg!”(7)

Futtermengen und so weiter. Wir lieben unsere Tiere und so behandeln wir sie auch: Wir haben Außenfreigehege, wir haben Laubschnitt, wir haben alles. Wenn man über Tierrechte spricht, ist es natürlich schwierig, denn wenn jemand sagt „ich bin Veganer und ich bin gegen alle nicht-menschlichen Tiere“, dann tu ich mir schwer. Aber da, wie gesagt, muss man sehr stark unterscheiden. Es ist so, Veganer sind innerhalb der Vegetarier eine respektable Zahl von 700.000 geworden, die es in der Bundesrepublik gibt, die alles, was mit Tieren zu tun hat, ablehnen. Es geht im Endeffekt auch um Lehrer, es geht natürlich um Pelze, es geht um Blindenhunde. Sie dürfen ja keine Tiere ausbeuten, also habe ich in der Diskussion gefragt, „was sollen die Blinden machen?“ Und wir haben zur Antwort: „Sie sollen daheim bleiben!“ Es geht, und jetzt sag ich Ihnen den extremsten Fall – wo man anfängt, darüber nachzudenken – um Insulin: Es gibt ja Diabetiker, die Diabetes A haben und deshalb Insulin spritzen. Insulin wird aus Schweinen gewonnen, es gibt momentan keine andere Möglichkeit. Wenn Sie das nicht machen, verurteilen Sie die Diabetiker zum Tod. Wo fangen also das eine Recht und das andere an? Verstehen Sie, was ich meine? Über Tierschutz kann man mit jedem reden. Wir sind mit die größten Tierschützer! Wir haben unsere Leute bei WWF mit dabei, sie sind bei den Walen mit dabei, sie haben Delphinpatenschaften, und und und, da kann man über alles reden. Wenn einer sagt, neues Futtermittel oder ein neues Medikament, Nahrungsergänzungsstoffe, da sind wir die letzten, die sagen „machen wir nicht!“

Abbildung 20: "Und da drüben haben wir noch zwei Tigerchen, und Beluga, von dem ich Ihnen erzählt habe, dass er nicht gerne springt. Er schwimmt auch nicht gerne. Im Sommer haben wir diese Aufnahme gemacht, wie sie im Swimmingpool waren. Sie haben sich gebalgt, und haben so einen Baumstamm mitgenommen und er [Beluga] stand nur oben und hat so die Pfote reingehalten. Das war das höchste, was er gemacht hat!"

Abbildung 20:
“Und da drüben haben wir noch drei Tigerchen, und Beluga, von dem ich Ihnen erzählt habe, dass er nicht gerne springt. Er schwimmt auch nicht gerne. Im Sommer haben wir diese Aufnahme gemacht, wie sie im Swimmingpool waren. Sie haben sich gebalgt, und haben so einen Baumstamm mitgenommen und er [Beluga] stand nur oben und hat so die Pfote reingehalten. Das war das höchste, was er gemacht hat!”(7)

Wir haben sogar ein Seniorenheim für Pferde in Weßling am Ammersee, wo die Senioren hingehen, die nicht mehr reisen können oder wollen. Es ist natürlich schwierig, wenn einer sagt „ich bin gegen alle Tiere!“ Wie wollen Sie da diskutieren? Es gefällt uns nicht, aber wir haben hier in Deutschland das liberalste Recht, und deshalb, solange Sie wollen und nicht aufs Gelände kommen, dürfen Sie selbstverständlich [demonstrieren](4).

Vielen Dank für das Interview!

Samuel Menacher

(3) den Zirkus betreffend

(4) Anmerkung/Ergänzung des Redakteurs

(5) Auslassung

(6) Angaben ohne Gewähr

(7) Zitat von: Dr. Susanne Matzenau

Wie in der letzten Frage angesprochen, stehen Tierrechtsaktivisten vor dem Zirkus. Es ist mit Sicherheit auch interessant, deren Meinung zu hören! Wir sprechen nun mit Serpil Cil von der Tierrechtsinitiative Augsburg e. V.:

Abbildung 21

Abbildung 21

Was hat Sie heute hierher geführt?

Wir sind ja nicht nur heute hier, sondern seit dem 31.10. jeden Tag. Uns führt hierher, dass wir gegen Zirkusse mit Tiernummern sind. Einfach aus dem Grund, weil Tiere nicht dazu da sind, uns zu unterhalten. Tiere sind nicht dazu da, sie zu missbrauchen, irgendwelche Kunststückchen zu machen, sie dazu zwingt, diese vorzuführen oder Tiere eben zur Schau zu stellen. Das möchten wir nicht. Und deswegen stellen wir uns jeden Tag hierher und möchten den Leuten die Augen öffnen, sie sensibilisieren für dieses Thema, weil sich die Leute ja eigentlich so gar keine Gedanken darüber machen. Wir möchten aufklären und informieren – freundlich, friedlich, fröhlich.

Was sind Ihre Hauptargumente?

Abbildung 22

Abbildung 22

Mein Hauptargument ist, dass es für mich Tierquälerei ist. Tierquälerei in dem Sinn, wie gesagt, dass Tiere nicht dazu da sind, uns zu unterhalten, sie zur Schau zu stellen, sie als Arbeitssklaven zu missbrauchen. Es gibt ganz ganz tolle Zirkusse ohne Tiernummern, die einwandfrei funktionieren und auch meistens ausverkauft sind. Es muss kein Tier für den Spaß des Menschen leiden. Es gibt den „Cirque du Soleil“, das ist ein kanadischer Zirkus ohne Tiernummern, dann gibt es den Zirkus „FlicFlac“, auch ganz toll, und den „Chinesischen Staatscircus“. Ich kenne auch noch den Zirkus „Swamp“, der kommt aus England. Es gibt aber auch noch mehrere kleinere Zirkusse, die auch ohne Tiernummern arbeiten. Wir haben nichts gegen Zirkusse, wir haben nur etwas gegen Zirkusse mit Tiernummern. Zirkusse behaupten ja immer – oder auch Zoos –, dass sie Artenschutz betreiben. Es ist aber so, dass kein Zirkus und auch kein Zoo der Welt irgendwelchen Artenschutz betreiben kann, aus dem Grund, weil diese Tiere nur zu Schauzwecken dienen, man möchte Profit damit machen, man will nur Geld damit verdienen, und das wird dann Artenschutz genannt. Artenschutz betreibe ich, indem ich Lebensräume in den jeweiligen Ländern schaffe oder erhalte. Mammuts sind ausgestorben, ihnen trauert kein Mensch hinterher. Einem Tier, was ausstirbt, tut das ja nicht weh! Diese Tiere da drin jedoch, die werden missbraucht, leiden ihr ganzes Leben lang, nur, damit man „Artenschutz“ betreiben kann. Das kann nicht funktionieren! Aber da muss ich wirklich Projekte unterstützen, die dort, wo die Tiere eigentlich herkommen, Tierschutz betreiben. Nur so kann Artenschutz funktionieren! Die Leute sehen in der Manege wahrscheinlich gutgenährte Tiere, die scheinbar glücklich aussehen. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ und das bedeutet für mich, sich in diese Opferrolle von diesem Tier hineinzuversetzen! Sie leben, ja, sie sind ein Leben lang gefangen, und ihre Lebensräume sind einfach diese Wagons, sind einfach diese Käfige, die hier stehen. Die haben auch viel zu wenig Beschäftigung! Die Dressur an sich ist mit Sicherheit stressig; mit welchen fragwürdigen Methoden dressiert wird, sieht keiner. Und was sonst noch hinter den Kulissen passiert, für das interessiert sich wahrscheinlich gar keiner. Kein Zirkus der Welt kann einfach den jeweiligen Bedürfnissen der Tiere nachkommen, denn diese Tiere haben in der freien Wildbahn tausende von Quadratkilometern zur Verfügung, wo sie auch wandern, in Familienverbänden zusammenleben, sich um ihren Nachwuchs und umeinander kümmern. Elefanten leben in einer Herde zusammen – sie sind wirklich ganz tolle intelligente Tiere – und haben in der Savanne wirklich sehr viel Freiraum zur Verfügung. Deren Beschäftigung ist auch die Nahrungssuche, ein ganz natürliches Verhalten. Auch Löwen und Tiger möchten jagen und nicht den Brocken Fleisch vor die Nase geworfen haben, denn das ist nicht das natürliche Verhalten eines Wildtiers. Das funktioniert im Zirkus einfach nicht. Die Tiere können nicht rennen, sie können nicht spielen, sie können sich nicht frei entfalten, sie können keine Wanderungen machen usw.; das ist in keinem Zirkus der Welt möglich!

Abbildung 23

Abbildung 23

 

 

Haben Sie das Gefühl, dass Sie hier auch etwas erreichen, dadurch dass Sie hier stehen und die Leute ansprechen?

Ja, wir bekommen auch sehr viel Zuspruch: Wir stehen hier direkt an der Straße und es fahren auch wirklich viele Autofahrer vorbei, die hupen und mit dem Daumen nach oben zeigen. Es kommen aber auch Leute vorbei, die sagen „es ist super, was ihr da macht, finden wir toll!“ Es gibt auch Leute, die nach dem Zirkus kommen und dann sagen „ja, ihr habt Recht!“ oder „ja, die Tiere sehen traurig aus!“. Eine Dame ist nach der Show zu mir gekommen und hat gesagt „ich fand es gruselig. Also die Elefanten sahen wirklich traurig aus, und ich werde auch keinen Zirkus mehr besuchen!“ Es kamen schon mehrere, die dann im Nachhinein ihr Feedback abgegeben haben. Einer kam und hat dann auch zu mir gesagt, als er reingegangen ist, habe er sich für den Flyer nicht interessiert. Danach wollte er diesen Flyer auch haben und  meinte, es wäre einfach lächerlich gewesen.

Abbildung 24

Abbildung 24

 

 

Welche anderen Aktionen machen Sie?

Ich bin zwar bei der Tierrechtsinitiative Augsburg e. V., die Tierrechtsinitiative Augsburg hält sich aber gänzlich aus Zirkusgeschichten raus, das mach ich privat. Aber die Tierrechtsinitiative organisiert auch Infostände und Demonstrationen. Wir leben vegan. Wir ernähren uns nicht nur vegan sondern leben vegan, das bedeutet, wir essen keine Tiere – Fleisch möchte ich gar nicht sagen, denn Fleisch sind einfach tote Tiere –, wir konsumieren auch keine tierischen Produkte, also Milch, Käse, Eier, Honig gehört dazu… Alles was von Tieren kommt. Wir nehmen auch kein Leder! Es ist kein Nebenprodukt der Rinder, was viele meinen, sondern diese Rinder werden extra dafür gezüchtet und auch dafür geschlachtet. Wir nehmen natürlich tierversuchsfreie Kosmetik. Wir gehen mit offenen Augen durchs Leben und schauen, wo man etwas ändern, wo man Tierleid vermeiden kann. Wir Tierrechtler versuchen wirklich Tierleid zu vermeiden, wo es nur geht. Wir haben Infostände, an denen wir über Veganismus aufklären. Wir klären auch über Tierversuche, über Zirkusse, wir veranstalten Demonstrationen gegen Pelzhandel, hierbei möchten wir auch aufklären und prangern auch die Geschäfte an, die Pelze verkaufen. Die Leute sollen einfach für dieses Thema sensibilisiert werden.

 

Bekommen Sie immer solchen Zuspruch wie hier?

Abbildung 25

Abbildung 25

Bei den Infoständen kommen auch immer wieder Leute, die durch unsere Flyer angeregt und informiert werden und dann auch im Internet weiter recherchieren. Wir leben nun mal im Zeitalter des Internets und jeder kann sich – wenn er möchte, wenn ihm das Leid von anderen, ob Mensch oder Tier, nicht egal ist – informieren. Und er lässt sich nicht verblenden, von solchen Aussagen, dass es den Tieren gut gehe und zu nichts gezwungen würden oder dass damit Artenschutz betrieben würde. Wenn man also wirklich mit offenen Augen durchs Leben geht und wenn man sich wirklich dafür interessiert, dann kommt man auch drauf, dass es wirklich an jedem Einzelnen liegt, Leid zu vermeiden.

 

Hält von Ihnen jemand Haustiere?

Abbildung 26

Abbildung 26

Ja, ich zum Beispiel! Ich habe einen kleinen Hund, 13 Jahre alt, er lebt als Familienmitglied bei uns und ich sorge für diesen Hund. Ich lasse meinen Hund nicht in einem Zirkus beispielsweise auftreten und verdiene mein Geld auch nicht damit. Ich versorge mein Tier mit Medikamenten, mit Futter, mit einem Dach über dem Kopf. Es wird zu nichts gezwungen. Es muss nichts leisten, es muss nichts können und ich verdien auch kein Geld mit diesem Tier. Natürlich ist auch ein Hund eingesperrt, ohne Frage. Nur sind Hunde halt auch domestizierte Tiere, aber Elefanten, Zebras, Giraffen, Nashörner oder Nilpferde sind eben Wildtiere, deren Heimat nicht hier bei uns in Europa ist. Die aber auch noch aus ihren Heimatländern herauszureißen und sie hier zu züchten ist einfach von Grund auf falsch.

 

Waren Sie schon mal im Zirkus?

Abbildung 27

Abbildung 27

Nein, war ich noch nie. Ich werde es mir auch nicht anschauen, weil ich mir nicht das anschauen muss, was ich schon weiß. Ich habe mir mit 13 oder 14 Jahren eine Sendung über Zirkus angeschaut. Mir kamen schon die Tränen und ich hab mir gedacht „um Gottes Willen, was machen die mit den Tieren!?“ Also als 13, 14-jähriges Kind wusste ich schon, dass es verkehrt ist, Tiere zu dressieren und zu etwas zu zwingen, was nicht ihrem natürlichen Verhalten entspricht: Tiger oder Löwen haben normalerweise Angst vor Feuer, müssen aber durch brennende Reifen springen zum Beispiel. Wie gesagt, vielleicht wird das auch nicht mehr gemacht, darüber kann ich keine Aussage treffen. Das hat damals für mich den Ausschlag gegeben, und das Thema hatte sich für mich erledigt.

 

Warum stehen Sie eigentlich nicht am Eingang sondern hier auf der Rückseite des Geländes?

Abbildung 28

Abbildung 28

Es wurde uns von der Stadt nicht genehmigt! Ich wollte ja vorne, dann hat es aber geheißen, der Gehweg wäre zu schmal, wir würden die Besucher und Passanten behindern. Auf das Gelände können wir bei Krone von vorne herein nicht, weil Krone das gesamte Gelände angemietet hat. Es ist natürlich sein gutes Recht zu sagen, Nein, keine Demonstranten. Aber wenn andere Zirkusse da sind, die kleiner sind als Circus Krone, dann stehen wir schon auf dem Gelände. Dann stehen wir normalerweise in der Nähe der Kassen.

 

Machen Sie eigentlich auch Aktionen vor dem Zoo?

 

Abbildung 29

Abbildung 29

Bis jetzt nicht, aber ich habe es vor. Mir ist nur momentan der Zirkus wichtiger, obwohl natürlich auch Zoos Tiergefängnisse sind. Wenn nur von der Regierung endlich dieses Wildtierverbot käme! Es wäre mir natürlich lieber, dass überhaupt die Dressur von Tieren, also auch domestizierter Tiere, Hunde, Ziegen, etc., die keine Wildtiere sind, verboten wird. Griechenland hat 2012 ausnahmslos jegliche Tiere in Zirkussen verboten. Die gehen sehr beispielhaft voran, das finde ich absolut top! Bolivien hat auch alle Tiere verboten. 16 europäische Länder haben Wildtiere verboten, oder zumindest eingeschränkt, sodass z. B. keine neuen Tiere mehr eingekauft sondern nur noch bereits vorhandene behalten werden dürfen.

 

Was müsste man also insgesamt gesehen alles ändern?

Abbildung 30

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Das Bewusstsein der Leute muss man einfach durch Informationen und Aufklärung anregen, sodass sie wirklich diese „Tierqualzirkusse“ nicht mehr mit ihren Eintrittsgeldern unterstützen. Und wenn Zirkusse kein Geschäft mehr mit Tierdressuren machen, hat sich das Thema von vorne herein schon für sie erledigt.

 

Und wenn man Gesetze macht, bringt das was?

Natürlich wäre mir das Gesetz am allerliebsten! Deutschland rühmt sich ja so mit seinem Tierschutzgesetz, was in Wahrheit aber ein Tiernutzgesetz ist. Das sieht man einfach in allen Bereichen. Das Gesetz wäre also am allerbesten! Aber solange dieses Gesetz nicht da ist, werde

Abbildung 31

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ich bei jedem Zirkus dastehen.

 

Gibt es noch etwas dazuzusagen, was ich noch nicht angesprochen habe?

Ich versteh halt einfach nicht warum unsere Gesellschaft so verroht ist, so gefühlskalt, ohne Empathie! Das macht mich abartig traurig. Ich könnte mir auch was Besseres vorstellen als hier zu stehen, aber die Tiere haben leider keine Stimme, sie können nicht für sich sprechen, und deswegen stehe ich hier und lass mich blöd anreden. Aber das macht mir nichts aus; das schlucke ich runter, weil ich weiß, für wen ich das mache und ich mache es sehr gerne. Ich möchte wirklich die Leute aufklären und jemand, der sich wirklich damit beschäftigt, der wird es auch einsehen. Bei allen anderen ist halt Hopfen und Malz verloren. Solche wird es immer geben. Die machen sich über nichts Gedanken, Hauptsache leben, Hauptsache ich habe meinen Spaß, Hauptsache ich habe mein Vergnügen und alles andere um mich herum ist mir egal…

Abbildung 32

Abbildung 32: Frau Cil ganz links

 

Eines sollte man noch wissen: Die Nilpferddame Poppäa tritt seit 2009 nicht mehr im Circus Krone auf, sondern wird gefangen gehalten. Sie ist praktisch schon in Rente und tritt nicht mehr auf. Im Krone-Bau wird sie immer noch in einem winzigen Wasserbecken mit ein bisschen Auslauf außerhalb des Beckens gefangen gehalten. Krone wurde angeboten, dieses Nilpferd dort rauszuholen mit Artgenossen zusammenzubringen und im afrikanischen SanWild Life Rehabilitationscenter und Sanctuary unterzubringen. Aber Circus Krone weigert sich und möchte dieses Nilpferd, wahrscheinlich bis ans Lebensende, dort immer noch gefangen halten.

Vielen Dank für das Interview!

Samuel Menacher

Ich bedanke mich recht herzlich bei Frau Dr. Matzenau und bei Frau Cil für die angenehmen Gespräche, bei Frau Dr. Matzenau für die Führung durch die Zirkusstadt und den Eintritt in die Vorstellung und bei Herrn Anders, Frau Dr. Matzenau und Herrn Zoltkowski für die freundliche Genehmigung für die Veröffentlichung ihrer Bilder!

Bildrechte:

Thaddäus Zoltkowski (Abbildung 2): Bildveröffentlichungsrechte und -bedingungen, Grafikadresse Abb. 2

Anand Anders (Abbildungen 5, 6 und 7): Grafikadresse Abb. 5, Grafikadresse Abb. 6, Grafikadresse Abb. 7

Susanne Matzenau (Abbildungen 18, 19 und 20)

Samuel Menacher (Abbildungen 1, 3, 4, 8 – 17, 21 – 32, Beitragsfoto)

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