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Deutschland – Retter oder Diktator?

März 28, 2013 Aktuelles, Welt 2 Comments

euro_versinktSchon lange  ist Griechenland nicht mehr in den Schlagzeilen. Die Medien haben genug über das Thema berichtet und suchen sich interessantere Brennpunkte. Allerdings gibt es neuerdings einen Aufschrei aus Zypern: Dort sollen alle, die 100.000 € oder mehr auf der Bank haben, 40 % ihres Vermögens an den Staat abtreten, um die Krise meistern zu können. Dies war wohl eine Idee aus Deutschland, so wirkt es jedenfalls auf die zahlreichen Demonstranten in Zypern: “Hitler, Merkel – The same shit” steht beispielsweise auf den Transparenten. Welche Rolle aber spielt Deutschland dabei?

Deutschland ist zurzeit führende Wirtschaftsmacht in Europa und gibt den Ton dort an, wo über etwaige Rettungspakete entschieden wird. Die Rettungspakete sollen angeblich dafür sorgen, den bankrotten EU-Mitgliedern wieder auf die Beine zu helfen. Wenn man aber die Tragödie Griechenland beispielsweise genau betrachtet, fällt auf, dass die Retterei dort noch lange kein Ende hat. Fast monatlich – möchte man meinen – werden neue “Rettungskredite” beschlossen und der Sparplan ist auch aktiver denn je! Fazit, die Kredite helfen den Staaten nicht, weil dieses Geld quasi extra gedruckt wird und damit die Inflationsrate in den Euroländern steigt. Das heißt, der Wert von ganz Europa bleibt weitgehend gleich, das Geld hingegen wird mehr (weil neues gedruckt wird) ist aber weniger Wert, nämlich insgesamt genauso viel, wie Europa. Man kann nur hoffen, dass wir keinen Zustand erreichen, der sich mit der Deutschen Hyperinflation 1914-1923 vergleichen lässt, wo man mit Koffern in die Geschäfte ging und mit 100-Billionen-Mark-Scheinen bezahlte. Auch nicht übersehen darf man dabei sämtliche Sparmaßnahmen, die von der Europäischen Union über die Köpfe der “pleiten” Staaten hinweg ausgearbeitet und beschlossen werden, auch wenn es so scheint, dass die Exekutive und Legislative der betroffenen Länder diese selbst ausarbeiten und damit auch zufrieden sind. Wie das Beispiel Zypern zeigt, sieht es das Volk so, dass die EU und vor allem Deutschland Schuld an deren Leid ist. Lieber hätten die Menschen eine neue Währung, wären am besten gar nicht mehr in der EU, könnten sich eine neue Wirtschaft aufbauen und am Ende sogar auf das Extrem-Sparen verzichten! So jedenfalls die Theorie.

Warum aber werden diese Kredite ermöglicht, warum wird so hart durchgegriffen, obwohl es zum einen sichtbar nichts bringt und zum anderen Hass von Seiten der “bestraften” Bevölkerung hervorruft? Man weiß es eigentlich nicht: Die Politiker sagen, “die EU muss zusammenhalten”, “wir brauchen Griechenland” und so weiter und so fort… Tatsächlich könnte man auch meinen, gerade Deutschland will seine Milliardenkredite irgendwann einmal wieder zurück haben, wenn die Probleme gelöst wurden und der Euro wieder halbwegs stabil ist. Es ist ganz einfach die Angst, dass die Wirtschaft in Europa zusammenbricht, dass die deutsche Regierung seine Schulden nie zurückzahlen kann, weil auch ihr niemand etwas zurückzahlt. Es ist eben diese Angst, die den Politikern kräftig einheizt. Da muss man sich doch die Frage stellen, ob die Politiker Tomaten auf Ohren und Augen haben! Es geht so nicht weiter! Wir machen immer mehr Verluste, weil wir Griechenland, Zypern, Italien, Spanien, Irland und Frankreich einfach nicht mehr halten können! Sollen wir vielleicht auch zu Grunde gehen, nur weil die Politik nicht auf die vielen Warnungen reagiert?

Nun darf man aber nicht denken, dass diese Angst unbegründet ist. Man stelle sich das Szenario vor, Griechenland kehrt zur Drachme zurück und tritt damit höchstwahrscheinlich auch aus der EU aus. Die Hellenen könnten ihre eigene Währung entwickeln und würden damit wieder wettbewerbsfähig. Auch der europäischen Wirtschaft würde der Ausstieg nicht wehtun, weil Griechenland nur einen sehr geringen Anteil an der Wirtschaft hat. Die Sorge besteht darin, dass es weitere Länder wie z. B. Portugal oder Spanien Griechenland gleichtun könnten und werden. Der Aktienmarkt würden zusammenbrechen wie am schwarzen Freitag an der New Yorker Börse am 25. Oktober 1929. Nun wäre der Euro erst recht instabil und man wird keine andere Wahl haben, als überall neue Währungen einzuführen.

Einige Wirtschaftswissenschaftler und Banker an sehen das aber nicht so: Die sehen ganz genau, dass ein Großteil des Vermögens Deutschlands regelrecht verpulvert wird und fordern deshalb, zur alten Deutschen Mark zurückzukehren, die EU aufzulösen, nach dem Motto “Wir brauchen die EU nicht!” Diese neuen Demonstranten, diese neuen Sich-quer-Steller haben eine neue Partei gegründet: Die “Alternative für Deutschland”. Ihre Mitglieder argumentieren auf zwei Arten: Erstens muss Deutschland aufhören, sein Hab und Gut gegen ‚Nix‘ zu verhökern, zweitens sind alle Vorgänge in der Wirtschaft mittlerweile vor allem innerhalb der Europäischen Union so verflochten und verwoben, dass sich nicht einmal die Gründer der Alternative für Deutschland, also sehr gebildete Banker und Wirtschaftswissenschaftler in diesem Netz mehr auskennen. Das gleiche Problem gibt es in unserer Politik schon längst: Kein Politiker traut sich, mehr in die Wirtschaft einzugreifen, als gerade noch verschmerzbar für diejenigen, die die Folgen dieser Eingriffe zu tragen haben. Deshalb hinkt unser soziales Netz, deshalb geht die Schere zwischen reichen Ländern in Europa und denen, die am Abgrund stehen und nur noch einen Meter weitergehen müssten, immer weiter auseinander. Eine Art Petition geht deshalb schon via Facebook auf Suche nach Gleichgesinnten. Angefochten wird hierbei, dass Milliarden Euro in die Rettungspakete einfließen bevor den eigenen Problemen im Land Abhilfe geschaffen wird: “Familien und Kinder, die nicht ausreichend zu essen haben”, “alte Menschen, die schlecht behandelt werden”, “Patienten, die nicht ausreichend behandelt werden”, “Menschen, die bis 67 arbeiten gehen sollen und junge Leute, die keine Arbeit haben.”

Aber jetzt mal ganz einfach gesagt: Das Problem war von Anfang an, dass bei der Einführung des Euro zwar Regelungen zur Stabilität des Euro getroffen worden sind, allerdings keine Konsequenzen gezogen werden, wenn Nationen die Bestimmungen nicht mehr erfüllen.

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Samuel Menacher

 

Bildrechte erworben bei: Stocklib.de

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Currently there are "2 comments" on this Article:

  1. Hans Guck-in-die-Luft sagt:

    Sehr interessante Ansichtsweise, man merkt, du hast dich intensiv mit dem Thema beschäftigt.

    Für mich allerdings eine zu einseite Argumentation, der Artikel ist eher ein Kommentar, als eine Berichterstattung.
    Es ist richtig, dass Deutschland langfristig gesehen von der Krise leicht profitiert, darin aber den alleinige Ansporn zu sehen, ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung.
    Es reicht schon, dass populistische Griechen und Zyprioten, die den Ernst der Lage nicht sehen, Deutschland für ihre Lage verantwortlich machen.

    In diesem Sinne, Peace Out, euer Hans Guck-in-die-Luft.

    • Samuel Menacher sagt:

      Meinst du jetzt den Ansporn, weiter zu zahlen oder den, aufhören zu zahlen?
      Wenn du ersteres meinst: Ein weiterer Punkt, den ich nicht genannt habe, ist, dass es nach einer Währungsreform (sollte Deutschland aus der Eurozone aussteigen) es zwar anfangs besser für die Bürger wäre, allerdings wären alle Kredite und Anleihen immer noch im Euro und sind damit den relativ großen Kursschwankungen ausgesetzt, also doch nicht so ideal für Deutschland.

      Samuel Menacher

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